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Bayerische Heilbäder-Verband: Gesundheitstourismus soll ländlichen Raum stärken

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Der Bayerische Heilbäder-Verband sieht den Gesundheitstourismus als große Zukunftschance für den ländlichen Raum. Das war Thema im Rahmen der Frühjahrstagung.

„Gerade in strukturschwachen Gebieten mit wenig Industrie oder großen Gewerbebetrieben schaffen Investitionen in den Tourismus sichere Arbeitsplätze.“, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbandes Klaus Holetschek auf der Frühjahrstagung seines Verbandes in Bad Alexandersbad. „Die bayerische Staatsregierung hat hier mit ihrer Strukturpolitik schon viel erreicht. Doch es gibt noch viel zu tun. Der ländliche Raum braucht weiter Unterstützung. Denn Städte und Gemeinden mit niedrigen Einnahmen aus der Gewerbesteuer in strukturschwachen Gebieten plagen finanzielle Sorgen. Das betrifft auch Heilbäder und Kurorte, die den Gesundheitstourismus als einziges wirtschaftliches Standbein haben.“

Diesen Kommunen bleibe nur der Weg in die Schulden, um ihre Prädikatisierung halten und ihre Infrastruktur ausbauen zu können, so Holetschek. Die niedrigen Steuereinnahmen reichten bei weitem nicht aus. Deshalb müsse die Staatsregierung Tourismusinvestitionen weiter fördern, und die  Investitionsbeihilfen für die Heilbäder und Kurorte auch künftig stärken. Positiv ausgewirkt hätten sich die Förderprogramme der Staatsregierung. „Ministerpräsident Markus Söder hat die Unterstützung der Heilbäder und Kurorte ausdrücklich in seiner Regierungserklärung erwähnt. Das hat uns sehr gefreut.“ Als weitere Zukunftsaufgabe nannte Holetschek den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum.

„Die Investitionen in Heilbäder und Kurorte werden sich für den Investitions- und Wirtschaftsstandort Bayern langfristig auszahlen“ ist der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Friedrich überzeugt. „Die wohnortnahe gute Erreichbarkeit von Erholungsorten und Gesundheitseinrichtungen sind auch für die Standortqualität von Industrie- und Dienstleistungsstandorten von zunehmender Bedeutung. Der Kur- und Gesundheitskurzaufenthalt wird in einem wachsenden Gesundheitsmarkt in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen.“

Ein Beispiel für das Dilemma von Gemeinden in strukturschwachen Gebieten  sei der Gastgeber der Frühjahrstagung  Bad Alexandersbad. Der Bürgermeister in Bayerns kleinstem Heilbad mit 988 Einwohnern, Peter Berek, kann mit 60 Euro Steuereinnahmen pro Kopf kalkulieren. 27 Millionen hat die Kommune in den letzten Jahren in ihre touristische Zukunft investiert, unter anderem in das neue „Alexbad“ und in die Ortsgestaltung -  mit Hilfe von Förderprogrammen und zum Preis von hohen Verbindlichkeiten. Die Aufsichtsbehörde hat den Haushaltsplan der Gemeinde seit vier Jahren nicht genehmigt. Doch eine Alternative gab es nicht.

„Ohne die Investitionen wäre ich jetzt ein Bürgermeister mit einem Haufen leerstehender Gebäude. Die Gemeinde wäre in der Ortsmitte tot“, sagte Berek. Mit niedrigen Steuereinnahmen kann die Kommune gerade einmal Pflichtaufgaben wie etwa die Kanalisation stemmen. Der Tourismus ist eine freiwillige Aufgabe – und dafür reicht das Geld nicht. Der BHV verlangt deshalb, den Tourismus zur Pflichtaufgabe zumindest der Heilbäder und Kurorte zu machen, um den Gemeinden mehr Förderung und damit mehr finanziellen Spielraum zu geben.

Der BHV Vorsitzende Klaus Holetschek forderte darüber hinaus ein verstärktes Augenmerk auf die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung. „Die bayerischen Heilbäder und Kurorte stehen für 100.000 Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Mit ihrer medizinischen Kompetenz haben sie einen großen Anteil an der medizinischen Versorgung auf dem Land.“ Die medizinische Versorgung sei auch ein Thema der Krankenkassen. „Hier ist der letzte Prüfbericht des Bundesversicherungsamtes  alarmierend. Krankenkassen sparen zunehmend auf Kosten von älteren Menschen – bei der Reha und den Hilfsmitteln. Das ist ein Skandal.“  

Nach dem Bericht setzen die  Krankenkassen offensichtlich vor allem auf jüngere und gesunde Mitglieder. So schreibt das Bundesversicherungsamt, dass Krankenkassen gerade in Leistungsbereichen, die vorwiegend junge und gesunde Versicherte anlocken, wie etwa Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung, „rechtswidrige Leistungen häufig aus Kulanz gewähren.“ Anträge im Bereich Vorsorge und Rehabilitation würden dagegen häufiger abgelehnt – gerade bei älteren Menschen. „Im ländlichen Raum leben weitaus mehr ältere Menschen als in Verdichtungsräumen“, betonte Holetschek. „Die medizinische Versorgung ist gerade hier ein großes Thema. Ich forderte deshalb die Krankenkassen auf, ihrem Versicherungsauftrag nachzukommen und ältere Menschen nicht zu benachteiligen.“

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